Da hat der Frosch die Locken …

 

 Wer schreibt, kommt um das Lesen nicht drum herum.

Da hat Alexandra völlig recht!

 

 

Was Alexandra vom little blog.shop im 6. Kapitel

noch so schreibt,

leuchtete mir irgendwie schon immer ein.

Bislang konnte ich es jedoch nicht hundert prozentig umsetzen,

weil ich nicht wusste, wie ich das,

was ich falsch machte, abstellen kann.

 Jetzt weiß ich nicht nur, wo mein Handicap liegt,

jetzt kann und muss ich gezielt daran arbeiten.

 *

Die Übungen dazu

und

den AHA-Effekt könnt ihr nun nachlesen.

 Angefangen habe ich mit den kleinen Übungen.

 Wir sollten uns die folgenden Texte durchlesen

und die Unterschiede notieren,

welche wir dabei heraus gehört haben.

Wir hätten auch

mit unterschiedlichen Betonungen spielen können.

Aber lest selber erst mal:

 

Text 1

Der Baum steht. Der Hügel verschwindet.

Ein Einkaufszentrum nimmt seinen Platz ein.

Autos parken nun da.

Der Baum steht in meiner Erinnerung.

Seine volle Pracht ist verschwunden.

Er blüht nie wieder.

Autos hupen.

Jugendliche spielen mit den Einkaufswagen.

Der Baum wird vergessen sein.

Die Schreie meiner Mutter reißen mich aus den Gedanken.

Sie steht am Weidezaun.

Sie hält die Heugabel in der Hand.

Sie ist wütend.

 

Text 2

Der Baum steht oben auf dem verschwundenen Hügel,

dessen Platz ein Einkaufszentrum eingenommen hat.

Der Baum, dessen nie wieder blühende,

volle Pracht verschwunden und vergessen ist,

steht in meiner Erinnerung,

während Autos hupen und Jugendliche mit Einkaufswagen spielen.

Die Schreie meiner wütend mit einer Heugabel

in der Hand am Weidezaun stehenden Mutter reißen mich aus meinen Gedanken.

 *

Notiert habe ich mir folgendes dazu:

 

Bei Text 1

habe ich das Gefühl immer wieder aus gebremst zu werden.

Ich komme überhaupt nicht in einen Leserhythmus herein.

Irgendwie meine ich, gar keine Informationen zu erhalten,

weil ich so stockig lesen muss.

 

Bei Text 2

 habe ich das Gefühl „getrieben“ zu werden.

Ich ertappe mich dabei, die Sätze immer schneller zu lesen,

obwohl es keinen Grund dafür gibt.

Doch, es gibt einen Grund.

Ich lese und will den Satz beenden,

er endet aber noch nicht

und so beschleunige ich unbewusst den Leserhythmus

um zum Punkt zu kommen.

Aber auch hier muss ich nochmal lesen,

weil ich durch das hastige Lesen, die Informationen,

welche ich aufnehmen wollte, gar nicht kapiert habe.

 *

Alexandra bat uns Texte im täglichen Leben

„unter die Lupe“ zu nehmen

und auch dort sind mir nun Unterschiede aufgefallen.

 

Während ich im Roman

in einer bestimmten Melodie vor mich hin lese,

die Autorin versteht eben ihr Handwerk,

ärgere ich mich über die Kolumne unserer Zeitung.

Durch die kurzen abgehakten Sätze kommt es mir plötzlich

so oberflächlich,

einfach zusammengewürfelt und belanglos vor.

 

Während ich mich durch Testberichte quäle,

um mich zu informieren,

freue ich mich schon auf ein paar Zeilen

aus einem meiner Lieblings-Blog.

 

Die Unterschiede, welche ich entdecke,

werden immer deutlicher.

Auf der einen Seite in der Tat

Texte mit kurzen, präzisen und informativen Sätzen.

Aber auch Texte

mit kurzen und knappen Sätzen

die das Behalten jeder Information erschwert.

 

Auf der anderen Seite dagegen

Texte mit einer Stimmungsverstärkung

und

Texte, welche uns in einer wahren Textmelodie

dahin schmelzen lassen.

 *

Und so komme ich zur nächsten Übung.

Ich sollte mit dem Satz:

Der Fluss fließt“

spielen.

 

1. Den Satz erweitern…..

 

Der Fluss fließt.

Der Fluss fließt den Berg hinab.

Der Fluss fließt den Berg hinab und mündet im Meer.

Der Fluss fließt den Berg hinab und mündet im salzigen Meer.

Der breite Fluss fließt den Berg hinab und mündet im salzigen Meer.

Der breite Fluss fließt den Berg hinab und mündet tosend im salzigen Meer.

 

Der breite, reißende Fluss fließt den Berg hinab und mündet tosend im salzigen Meer.

Der breite, beängstigend reißende Fluss fließt den Berg hinab

und mündet tosend im salzigen Meer.

 

Der breite, beängstigend reißende Fluss, auf dem ein Floß treibt, fließt den Berg hinab

und mündet tosend im salzigen Meer.

 

Der breite, beängstigend reißende Fluss, auf dem ein Floß treibt, fließt den Berg hinab

und mündet tosend im salzigen Meer, wo ein großes Schiff fährt.

 

Der breite, beängstigend reißende Fluss, auf dem ein Floß treibt, fließt den Berg hinab

und mündet tosend im salzigen Meer, wo ein großes, schwer beladenes Schiff fährt.

 

Der breite, beängstigend reißende Fluss, auf dem ein Floß treibt, fließt den Berg hinab

und mündet tosend im salzigen Meer, wo ein großes, schwer beladenes Schiff fährt, welches das Floß so winzig erscheinen lässt.

 

Der breite, beängstigend reißende Fluss, auf dem ein Floß treibt, fließt den Berg hinab

und mündet tosend im salzigen Meer, wo ein großes, schwer beladenes Schiff fährt, welches das Floß so unendlich winzig erscheinen lässt.

 

(kurze Zwischenfrage:

Kennt ihr das Spiel „Ich packe meinen Koffer?“)

 *

2. Text nur aus kurzen Sätzen …

 

Der Fluss fließt den Berg hinunter.

Bergab wird der Fluss breiter.

Das Wasser fließt immer schneller.

Der Fluss reißt alles mit sich.

Die Geschwindigkeit des Flusses beängstigt.

Auf dem Fluss schwimmt ein Floß.

Das Floß wird auch immer schneller.

Der Fluss erreicht das Meer.

Das Meer ist rau. Die Wellen tosen.

Die Gischt peitscht über das Floß.

Im Meer fährt ein großes Schiff.

Das Schiff ist schwer beladen. Das Floß wirkt so winzig.

Das Floß wirkt nicht winzig. Das Floß ist winzig!

Das Floß hat keine Chance. Das Schiff rammt das Floß.

Das Floß geht kaputt.

 *

3. Text nur aus langen Sätzen…

 

Jeder weiß, dass die Quelle eines Flusses im Gebirge entspringt

und das Wasser dann bergab durchs Land fließt,

auf seinem Weg meist breiter und reißender wird

und alles mit sich zieht,

was klein ist und keinen Halt findet,

um dann irgendwann im Meer zu münden.

Solange die Fließgeschwindigkeit des Flusses

noch nicht allzu beängstigend ist,

kann man mit einem Floß auf ihm fahren,

ohne Sorgen zu haben mitgerissen zu werden.

Durch Unachtsamkeit oder gar Fahrlässigkeit kann es jedoch passieren,

dass die Strömung des starken Wassers das Floß über den Fluss

bis ins Meer mit sich reißt,

keinesfalls kann man es dann noch aufhalten.

Im Meer angekommen trifft das winzig kleine Floß dann auf riesig große und schwer beladene Containerschiffe, welche mit ihrem harten Stahl, ihrer unbändigen Wucht und mitunter der Hilfe der peitschenden Wellen des tosenden Salzwassers, das oft handgefertigte und meist mit viel Liebe erbaute kleine Holzfloß zerschmettern und unter einem Teppich von Gischt begraben.

 *

4. Text aus langen und kurzen Sätzen gemischt

 

Schon in der Grundschule lernt man,

dass der Quell eines Flusses im Gebirge entspringt.

Logisch, Wasser fließt bergab.

Auf der Reise durchs Land

bahnt sich das Wasser seinen Weg.

Anfangs sind es langsam fließende Bäche oder kleine Flüsse,

die im Laufe ihres Weges zu starken Strömen werden können.

Ob ein Fluss nun aber in einen anderen Fluss fließt

und der wiederum in einen noch größeren Fluss übergeht,

spielt keine Rolle,

irgendwann mündet der Fluss im Meer.

Wenn das Meer aufgewühlt wird

und die Wellen gegen Hindernisse strömen, entsteht Gischt.

Der Anblick von Gischt weckt Abenteuerlust.

 Liebevoll baut man sich ein Floß aus Holz selbst,

mit dem fährt man dann,

wie einst Huckleberry Finn,

ein wenig auf dem Fluss herum.

 

Man muss jedoch vorsichtig sein.

Wenn die Strömung des Flusses zu stark ist,

kann das Abenteuer schnell zu Ende sein.

Das Floß gerät außer Kontrolle,

es lässt sich nicht mehr halten und

der Fluss reißt es mit sich.

Immer weiter und weiter wird das Floß abgetrieben.

Man sieht schon das Meer.

Auf dem Meer fahren große, schwer beladene Schiffe aus Stahl,

neben denen das Floß aus Holz so winzig erscheint.

Das Floß hat gar keine Chance.

Mit Wucht rammt ein Containerschiff

das winzig kleine Floß und

zerteilt es in unzählige Einzelteile.

Die ganze Arbeit war umsonst.

Während man das große Schiff nur noch am Horizont erahnen kann,

verteilen sich einzelne Hölzer auf dem Wasser.

Ein kleiner Trost bleibt.

Die Brandung ist gnädig und spült das,

was einst ein Floß war,

nun als Treibholz ans Ufer.

 *

Was ich dabei herausgefunden habe?

 

Der Text mit den kurzen Sätzen gefällt mir nicht,

war aber schnell geschrieben.

 

Der Text mit den langen Sätzen,

hat etwas mehr Zeit in Anspruch genommen,

das Schreiben war sehr witzig und hat mir Spaß gemacht,

das Lesen bereitet mir aber nicht so viel Freude.

 

Der gemischte Text mit den langen und kurzen Sätzen

hat mich am Längsten beschäftigt.

Immer wieder verlor ich den Faden,

konnte nicht richtig anknüpfen, der Übergang fiel mir schwer.

Ich sprang in den Zeiten hin und her.

Ich schrieb plötzlich was ganz anderes …

 

WAS sagt mir DAS?

DA liegt noch eine Menge Arbeit vor mir!

 

Um DAS, was in meinem Kopf drin steckt,

so zu Papier zu bringen,

dass nicht nur das Schreiben Spaß macht,

sondern auch das Lesen,

dem bedarf noch etwas Übung.

 

Was meint ihr?

 

Viel Spaß aber erst einmal beim

 „Ich packe meinen Koffer“ – Spielen

 und zauberhafte Grüße

Katja

  

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13 responses to “Da hat der Frosch die Locken …

  • littleedition

    JA,JA,JA – Katja, das ist der Wahnsinn!!! Super gemacht. Du weißt gar nicht, was Deine Aufgabe gerade für mich bedeutet!!!!

    Gefällt mir

  • Froschmama

    Hmm, ich schreib immer was ich grad loswerden will, les das aber mindestens noch dreimal durch ob es sich einigermassen gut liest.

    Ist das auch Ok???
    Oder findest du was ich schreibe meist nicht so toll???

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  • Persis

    Ich Faulpelz mache bei dem Workshop nicht mit (worueber ich mich oft aergere), schaue aber regelmaessig rein und lese die Aufgaben. Diese hier finde ich besonders interessant. Ich mag meine Texte naemlich oft nicht. Sie klingen mir zu „technisch“, distanziert und haben grottige Satzbauten. Deshalb mach ich es mal wie in der Schule und spicke bei Dir ueber die Schulter. Vielleicht faerbt Dein Fortschritt ja so auf mich ab 😉

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    • hoetuspoetus

      Du machst Witze?!
      ICH.LIEBE.DEINE.TEXTE!!!
      Ich ertappe mich oft, dass ich
      den ein oder andere deiner Post
      nochmal und nochmal lese.
      Nur zu gerne erinnere ich
      wieder mal an die Aktion, wo
      du dem Katzer die Klümpkes aus dem Fell
      zupfst 😀

      Für mich ist der Workshop so lehrreich!
      Manches ist es schon knifflig,
      es macht aber Spaß
      und der AHA-Effekt
      war dieses Mal besonders groß!

      (Jo ho ho! Da isser ja!
      – der Kommi) 😉

      Lieber Gruß … Katja

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    • littleedition

      Liebe Persis, ja, warum eigentlich nicht??? Innere Widerstände, zu viel, zu kompliziert, zu was auch immer?? Ich greife vor, wenn ich sage, auch für mich gilt: Lehre, um zu lernen. Ich habe so viel Spaß mit dem little blog.shop und ich lerne mit jedem Kapitel und jedem einzelnen Beitrag. Ich dachte, da es kein Richtig oder Falsch gibt, wäre die Hemmschwelle nicht so groß, denn es gilt, das Potential zu sehen oder zu entdecken. Liebe Grüße, Alexandra

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  • tina

    Hallo, Katja. Interessant und toll was Du daraus gemacht hast. Ich habe die Aufgabe ganz anders gesehen und gelöst. Finde ich an sich schon faszinierend. VG kerstin

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