Valentinstag

Früher hatte an diesem besonderen Tag

eine Rose auf dem Tisch gestanden,

meist mit einer kleinen Liebesbotschaft.

Allein der Gedanke daran macht Paula unendlich traurig.

Jan war nicht mehr da.

Sie hatte ihn mehrmals gebeten, nicht zu gehen.

Wut kommt ihn ihr auf.

Sie hätte ihm ein Ultimatum stellen sollen,

vielleicht wäre dann die Welt noch in Ordnung.

 

 

Es war genau heute vor drei Jahren,

als Paula ein paar Freunde und Verwandte zu

einem Umtrunk eingeladen hatte.

Sie hatte etwas zu verkünden.

Zweimal in der Woche konnten sie und Jan per Skype

ein paar Minuten miteinander reden,

das war die einzige Möglichkeit,

seit 3 Monaten.

Aber bald schon konnten sie sich wieder in die Arme schließen

und dann endlich ihre Träume wahr werden lassen.

Ein Kind?

Wer weiß?

Paula wusste es.

Sie trug ein kleines Geheimnis mit sich herum

und heute wollte sie ihre Eltern, Schwiegereltern,

den besten Freunden und ihrem Mann

an dem bald lauthals schreiendem Glück teilhaben lassen.

 

Der Sekt und der O-Saft standen im Kühlschrank,

die Gläser, zu einem Herz aufgestellt,

bildeten die festliche Mitte auf dem Wohnzimmertisch.

Niemand hatte abgesagt und

Paula war sehr aufgeregt.

Gleich würden alle eintreffen.

Ob sie etwas ahnten?

Sicherlich dachten sie, dass Jan auch da wäre und es eine

Wiedersehens-Überraschungs-Party sei.

Immerhin wollte Jan ursprünglich

gar nicht so lange im Ausland bleiben.

 

Die Gäste trafen pünktlich ein,

außer Leon,  

Paulas Schwager kam wie immer als letzter.

Alle waren so fröhlich,

das lag wohl an den Liebesbekundungen,

welche heute alle erhalten hatte.

Paula jedoch, strahlte am Meisten,

sie würde gleich versuchen Jan zu erreichen

und dann allen die freudige Mitteilung

über den Familienzuwachs machen.

Schuldbewusst, zu spät gekommen zu sein,

kümmerte Leon sich um das Öffnen der Sektflaschen

und schenkte ein.

Paula und ihre Freundin Bibi gaben jedem ein Glas.

Bibi musste so arg grinsen.

Sie ahnte etwas!

Paula und sie kannten sich schon über 30 Jahre,

sie konnte ihr nichts vormachen

und schon gar nichts verheimlichen.

Doch sie hielt dicht, sie fragte auch erst gar nicht.

Zu oft schon hatte sie gefragt

und dann war es „falscher Alarm“.

Paula und Jan hatten alles versucht,

so viele Fehlschläge mussten sie hinnehmen,

doch jetzt hatte es endlich geklappt.

Endlich!

Sie bekamen ein Baby.

 

Das Telefon klingelte,

das passte Paula jetzt gar nicht.

Sie wollte doch nun versuchen Jan zu erreichen

und sich nicht länger aufhalten lassen.

Im Wohnzimmer redeten alle wild durcheinander.

Ob sie wollte oder nicht,

sie flitze ans Telefon,

sie hatte noch nicht einmal

den Sekt aus der Hand stellen können.

 

Am anderen Ende meldete sich ein Freund von Jan,

Paula konnte ihn kaum verstehen.

Im Wohnzimmer redeten einige immer noch sehr laut,

obwohl Bibi „Ruhe“ gerufen hatte.

 

Und dann fiel das Glas herunter,

es herrschte totenstille.

Alle starrten auf Paula,

ihre leere Hand erstreckte sich pantomimisch in der Luft.

 

Leon übernahm das Telefonat

und

Bibi stütze Paula bis zum Sessel.

 

Es hatte einen Zwischenfall in Afghanistan gegeben.

Der Jeep von Jan und zwei weiteren Soldaten wurde bombardiert,

sie hatten keine Chance – nicht die geringste.

 

Hätte Paula eine Chance gehabt,

wenn sie Jan ein Ultimatum gestellt hätte?

Nein.

Der Schmerz wäre noch größer,

wenn Jan sich gegen sie, aber für den Krieg entschieden hätte.

 

Gleich kommt Bibi,

sie wollen den Tag zusammen verbringen.

Der kleine Jan-Cedrik wird derweil bei den Großeltern geparkt.

***

Das ist MEIN Beitrag zum

little blog-Shop – Kapitel 4

*** 

Zauberhafte Grüße

Katja

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10 responses to “Valentinstag

  • Froschmama

    Uff, das war jetzt aber mal heftig. Aber, echt gut geschrieben und bestimmt irgendwo so ähnlich… naja. Gott sei Dank gehts uns gut und wir können unsere Lieben in die Arme nehmen.
    Was bei uns regelmässig gemacht wird, da der Kleine immer mal während dem Spielen kommt und schreit KUSCHELN! Dann müssen Papa und Mama ihn SOFORT gleichzeitig drücken 😉
    Schönen Valentinstag euch allen.

    LG
    Froschmama

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  • littleedition

    Liebe Katja, ein sehr gut gelungener Spannungsbogen, schöne Geschichte und ein gelungener Abschluß. Bißchen Rechtschreibung und Kommata :). Die Fokussierung, der rote Faden ist hier nicht das Glas selbst, welches nur als „Spannungselement“ die Geschichte auf die inhaltliche Auflösung zutreibt. Der echte Höhepunkt ist allerdings „Es hatte einen Zwischenfall in Afghanistan gegeben.“ Aber: Aufgabe clever gelöst.

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  • Wanza

    Das ist eine wirklich heftige Geschichte, die einen auch auf eine Art zum Nachdenken bringt. Ich war erst was erstaunt, dass so viel nach dem eigentlich gedachten Höhepunkt noch kam, aber war dann nicht schlimm.
    LG, Wanza

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    • hoetuspoetus

      Dank dir…
      ja… das Nachgeplänkel ist zu lang geworden…
      und den Höhepunkt habe ich auch verpatzt…
      Aber ich mache ja mit um was zu lernen….
      (…ich habe noch viel zu lernen)
      Heute Abend nehme ich mir die Zeit
      bei allen anderen zu lesen,
      da war ich noch nicht zu gekommen.

      Lieber Gruß……. Katja

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      • littleedition

        Nein, so darfst Du das auf keinen Fall sehen!!!! Super Spannungsaufbau und wenn Du so willst, ist das Glas ein kleiner Höhepunkt, der die Spannung aber nun wirklich zur Spitze treibt, die Stelle ist an Spannung kaum noch zu übertreffen, das war wirklich gut. Na, gut, nach hinten raus komprimieren kann man. Guck mal, es gibt hier keine Noten und kein Durchfallen, sondern darum, mit Texten zu arbeiten, seine Wahrnehmung zu schärfen, seine Technik zu verfeinern, gezielt zu üben. Schreiben ist ein Prozess, bei dem man sich mit jedem geschrieben Text weiter entwickelt. Und jeder Beitrag im blog.shop ist für alle anderen hilfreich, weil sie aufgrund der gleichen Aufgabe sehen können, welche Ideen die anderen hatten, wie die Aufgabe auf unterschiedliche Weise gelöst werden kann. Verpatzt gibt es nicht! So!!

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      • hoetuspoetus

        Liebe Alexandra,
        Ich schreibe total gerne.
        Manchmal ist es aber so,
        dass ich so festgefahren bin.
        Dann habe ich etwas im Kopf und es bleibt so,
        egal wie oft ich es umschreiben möchte.
        Mein Mann bemängelt immer meine kurzen Sätze.
        Schreibe ich aber längere Sätze,
        dann stolpere ich hin und her.
        Ich stehe mir dann, warum auch immer,
        selber im Weg und verkompliziere Manches.
        Ich danke dir!
        Lieber Gruß… Katja

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  • Kerstin Zarbock

    Hallo, das ist ja eine überraschende Geschichte. Ich hatte etwas anderes erwartet und fand die Auflösung heftig. Tolle Idee ! VG Kerstin

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