Eine Art Weihnachtsgeschichte

 

my way

 

 

 Heute ist ein sehr trauriger Tag für mich.

Heute vor 13 Jahren starb meine geliebte Mutter.

Ein paar Tage zuvor schenkte sie mir etwas.

Davon möchte ich heute schreiben.

 

Da ich Berufs bedingt mittwochs immer frei hatte

bot es sich damals an,

diesen Tag als Shopping-Tag

heilig“

zu sprechen.

Jeden Mittwoch zogen meine Ma und ich los….

immer in eine andere Stadt.

Mal zum Bummel und gucken,

mal zum Stöbern und kaufen,

mal in Eines der großen Möbelhäuser zum Essen.

Und ein weiteres mal einfach nur so….

DER MITTWOCH GEHÖRTE UNS

Am Radio kam dann immer

Professor Hase“

von Stafan Raab

Kennt ihr DAS noch?

Wenn wir nicht gerade auf der Autobahn waren,

musste ich oftmals rechts ran fahren,

weil wir so Lachkrämpfe bekommen haben….

Stunden später brauchten wir nur ein Wort aus diesem

Sketch sagen und fingen wieder an zu lachen.

Egal ob wir gerade an der Kasse bei H&M standen,

oder im Café ein Stück Torte aßen.

 

Meine Mutter kannte mich in und auswendig.

Sie wusste, was mir gefällt.

Ein Blick reichte.

– Sie verstand mich ohne Worte.

 

Im November 1999 war ich umgezogen.

Die ersten eigenen vier Wände.

Es hatte sehr lange gedauert,

bis alle Zimmer eingerichtet waren.

Das Haus, die Möbel, ein richtig schickes Bad,

das ganze Inventar.

Es hatte viel Geld

und auch viel Zeit gekostet.

So mancher Mittwoch

war zum Opfer gefallen.

 

Um Nikolaus rum waren wir zwei jedoch unterwegs.

Der gemeinsame Tag hatte uns gefehlt.

Wir wollten ein paar Weihnachtsgeschenke besorgen.

Ich selbst wollte mir an diesem Tag nichts gönnen.

Da stach mir dieser Bär ins Auge.

So kitschig und doch hatte er was.

my way

Die Verkäuferin nahm ihn und zog ihn auf.

Es war eine Spieluhr.

Ich liebte Spieluhren über alles!

Sie bewegte sich

und

spielte eine schöne Melody.

Das Lied kannte ich, aber nicht genau den Text

und

so entzückt ich auch war, ich war zu geizig!

 

Meine Ma allerdings….

sie nahm den Bären mit und gab ihn mir.

Ich solle ihn sofort mitnehmen, sagte sie,

er sei eine Art Nikolaus-Einweihungsgeschenk….

 

Dann nahm das Schicksal seinen Lauf.

 traurig aber wahr“

 

 Als meine Mutter einige Tage später

einfach so umgekippt war,

und noch niemand eine Ahnung hatte, was ihr fehlte,

nahm ich den Bären mit auf die Intensivstation.

Ich zog ihn immer wieder auf

und ließ ihn das Lied spielen

und hielt Mamas Hand.

Als Mama „stabil“ genug war

um eine Untersuchung im CT über sich ergehen zu lassen,

nahm ich den Bären von ihrem Bett und hielt ihn fest.

Ich hielt ihn einfach nur fest,

ich habe ihn nicht gedrückt und nicht spielen lassen

Ich habe ihn einfach nur fest gehalten.

 

Als Mama wieder auf die Intensivstation war

und wir die niederschmetternde Nachricht

über ihren Tod mitgeteilt bekamen

waren wir am Boden zerstört.

Ich zog den Bären auf….

die Melodie setzte ein…

aber sie spielte nicht mehr richtig…

ein Ton fehlte….

immer und immer wieder fehlte dieser EINE Ton.

 

Wenn ich die Spieluhr heute aufziehe,

frage ich mich oft:

 

Warum habe ich an jenem Tag den Bären entdeckt?

Warum spielte er ausgerechnet DIESES Lied?

Und warum fehlte plötzlich ein Ton?

 

Warum fehlte plötzlich meine Mama?

 

Sie fehlt so sehr!

Eben wie ein Ton in einer Melodie!

 

Ach ja …….. das Lied,

es ist von

Frank Sinatra

My way

  

And now, the end is here
And so I face the final curtain
My friend, I’ll say it clear
I’ll state my case, of which I’m certain
I’ve lived a life that’s full
I traveled each and ev’ry highway
And more, much more than this, I did it my way

Regrets, I’ve had a few
But then again, too few to mention
I did what I had to do and saw it through without exemption
I planned each charted course, each careful step along the byway
And more, much more than this, I did it my way

Yes, there were times, I’m sure you knew
When I bit off more than I could chew
But through it all, when there was doubt
I ate it up and spit it out
I faced it all and I stood tall and did it my way

I’ve loved, I’ve laughed and cried
I’ve had my fill, my share of losing
And now, as tears subside, I find it all so amusing
To think I did all that
And may I say, not in a shy way,
„Oh, no, oh, no, not me, I did it my way“

For what is a man, what has he got?
If not himself, then he has naught
To say the things he truly feels and not the words of one who kneels
The record shows I took the blows and did it my way!

Yes, it was my way

 ***

Mein Weg

Und jetzt, kurz vor dem Ende
Und bevor der letzte Vorhang fällt
ich sage es dir deutlich, mein Freund
Ich werde meine Prinzipien offenlegen,
von denen ich überzeugt bin

Ich lebte ein erfülltes Leben
Ich reiste und fuhr auf allen Straßen
Aber vor allem, was viel wichtiger ist,
ich blieb auf meinen Weg

Bereut habe ich Einiges
Aber es wäre zu wenig es zu erwähnen
Ich tat, was ich tun mußte
Und zog es ohne Ausnahme durch,
Ich plante jeden vorgezeichneten Weg
Jeden vorsichtigen Schritt auch auf Nebenwegen
Aber vor allem, was viel wichtiger ist, blieb ich auf meinen Weg

Sicherlich gab es Zeiten, die du sicher auch kennst
Wo man mehr abbeißt, als man kauen kann
Aber immer wenn es Zweifel gab
Aß ich sie auf und spuckte sie aus
Ich trotzte allem, blieb standhaft und ging meinen Weg
Ich habe geliebt, gelacht und geweint
ich war meistens der Verlierer
Und jetzt wo die Tränen verflogen sind
Kann ich nur noch darüber lachen
Wenn ich über das was ich tat nachdenke
darf ich ohne Hemmungen sagen
Oh, nein, nein nicht ich:
Ich ging meinen Weg

Was ist ein Mann, was hat er erreicht?
Wenn er nicht er selbst ist, ist er ein Niemand.
Sagen was man wirklich fühlt,
Und von Anderen keine Befehle annehmen
Die Vergangenheit zeigt es, ich steckte die Schläge ein
Und ging meinen Weg

***

Als ich letzte Woche den Bären in den Arm nahm,

fragte Söri nach, warum ich traurig bin.

Ich erzählte es ihm 

so behutsam ich nur konnte.

Plötzlich sagte er:

„Das ist aber eine traurige Weihnachtsgeschichte“

Es ist aber keine Geschichte – er ist die Wahrheit!

 

Katja

 

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20 responses to “Eine Art Weihnachtsgeschichte

  • Kreativsein Blog

    Liebe Katja, der Tod ist nicht schön, besonders wenn er so plötzlich und ohne Vorwarnung da ist! Du hast jetzt die Erinnerungen an Deine Mutter, und Gott sei Dank sind es wirklich schöne! Toll was ihr für eine Beziehung hattet! Hast du mit deinem Sohnemann auch ein wöchentliches Ritual?
    Herzlichst und in Gedanken Deine Nicole

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    • hoetuspoetus

      Liebe Nicole,
      danke für deine schönen Worte!
      Ich bin sehr gläubig
      und gebe das an Söri weiter.
      Wir haben viele Rituale.
      Rituale haben mir immer viel gegeben,
      es gibt einem den geschützen Rahmen um alles herum.

      Nun brennt hier ein Kerzchen
      und ich mache Engelchen-Likör ….
      nennt man das „himmlisch“ ?!

      Liebste Grüße zurück,
      deine Katja

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  • Froschmama

    Liebe Katja,
    das hast du so schön geschrieben, ich hatte wirklich Tränen in den Augen.
    Diesen einen Tag, hat eine Freundin auch mit ihrer Mama,der ist ihnen Heilig der MUKI-Tag.
    Leider geht das bei meiner Mutter nicht, ich hab noch Kleine (14&16) Geschwister und sie Arbeitet noch, aber ich besuche sie mit dem Kleinen so oft wie es geht. Dann wird viel geredet.
    Das mit dem Bären ist schon seltsam, aber man sollte nicht so viel drüber nachdenken, freue dich über deine Erinnerungen mit deiner Mutter zusammen.

    Lieb Gruß Marion

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    • hoetuspoetus

      Liebe Marion….
      ja, die Erinnerungen sind schön
      und werden im Herzen getragen.
      Wer weiß… vielleicht klappt es ja später mal
      mit dir und der Mutti…? Wenn die Lütten größer sind!
      Danke für deine Zeilen…
      ich drück dich!

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  • Froschmama

    Jetzt sind vor Lauter schreiben die Lebkuchen dunkel geworden.
    Egal, du warst grad wichtiger 😉

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  • Froschmama

    Stell dir vor, mit Schokolade drauf hats heut keiner gemerkt 😀

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  • emmabee

    *In Gedanken drück ich dich jetzt ganz fest…*
    Alles Liebe,
    *bee

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  • Dagmar aus Unterfranken

    Liebe Katja, nachdem ich jetzt erst einmal meine Tränen weggewischt habe, drücke ich dich gaaaaaanz dolle!!!!!!!
    Ich wünsche Euch noch eine wunderschöne Weihnachtszeit!
    Ganz liebste und herzlichste Grüße
    Dagmar

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    • hoetuspoetus

      Liebe Dagmar,
      schön von dir zu lesen….
      ich hatte mir schon Sorgen gemacht,
      weil ich dich vermisst hatte!
      Puhh – nun weiß ich, es geht dir gut!
      Danke dir…. fürs Drücken und
      für deine lieben Grüße.
      Dir und deiner Familie auch
      die herzlichsten Grüße und eine
      wundervolle Weihnacht!
      Deine Katja

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      • Dagmar aus Unterfranken

        Liebste Katja – der vorweihnachtliche Stress halt 😉
        Dieses Jahr trifft sich die gesamte Familie bei uns: 10 Erwachsene und 5 Kinder – vom 22. – 30.12.
        Da gibt es viel zu planen und vorzubereiten.
        Meine Gedanken sind aber auch ganz oft bei dir!

        Allerherzlichste Grüße
        Dagmar

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      • hoetuspoetus

        Oh wie schön!
        Alle beisammen… und dann so viele!!!
        Na, dass es da Einiges zu planen gab,
        kann ich mir sehr gut vorstellen!

        Ganz liebe Grüße an dich Dagmar,
        Katja

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  • Dagmar aus Unterfranken

    Am liebsten hätte ich ALLE immer ganz nah bei mir – geht aber leider nicht…..Ich bin halt ein absolutes Familientier 😉

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  • Dagmar aus Unterfranken

    naaaaaa, dann kommt doch 🙂 ihr würdet super in die Runde passen!
    Drück euch auch ganz lieb!!!

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  • anneseltmann2013

    Hallo liebe Katja!

    Nein, deine Geschichte (diese hier) kannte ich noch nicht!
    Jetzt liegt mir ein dicker Klos im Hals, ich will jetzt nicht weinen…

    Ach ich liebe auch Spieluhren, welch ein Zufall! Und dann auch noch mit meinem allerliebsten Lieblingslied. Ich habe die komplette Sammlung von Frank Sinatra und gerade „My Way“ müßte schon fast abgewetzt sein, weil ich es immer und immer wieder höre.
    Selbst als ich endlich die Gitarrengriffe dazu ergattern konnte, habe ich es solange geübt, bis ich es nun auswendig kann. Und wenn ich dann so ganz ganz traurig bin, vor allen Dingen wenn sich der Todestag MEINER Mutter jährt (8.12.2006) hole ich meine Gitarre raus und spiele dieses Lied…

    Ich wünsche euch einen wunderschönen 2. Advent

    Herzliche Grüße
    Anne

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    • hoetuspoetus

      Ohhh Anne!
      Jetzt habe auch ICH
      einen Kloß im Hals!
      HEUTE ist ja der 08.12.

      Wenn ich heute
      „My Way“ höre muss ich
      IMMER weinen!
      Es geht nicht anders.
      Meinen Respkekt, dass du es
      spielen kannst!
      DAS würde ich zu gerne hören!

      Es gibt noch so viele
      kleine Geschichten, die ich
      schreiben könnte …
      manches davon würde ICH
      nicht glauben,
      wenn man sie mir erzählt.
      Da ich sie selber erlebt habe,
      weiß ich aber, dass sie stimmen…

      Auch dir, trotz des Datums
      einen wunderschönen 2. Advent!

      Ich drücke DICH!!!
      Katja

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